Stormchasing, Gewitterjagd und Unwetter in Deutschland
  12.04.2013 - Schauer, LP Superzelle (Verdacht)
 
 
 
 
 
Wetterlage am 12.04.2013
 
Ein Tief mit dominanter Kaltluftadvektion zog an diesem Tag vom Ärmelkanal bis nach Dänemark. Dabei war südlich des Kerns ein stark ausgeprägtes Kaltluftföderband vorhanden, welches rasch hochreichende, labil geschichtete atlantische Polarluft nach Westdeutschland holte. Das Tief war bereits stark okkludiert, so dass sich Reste der Okklusionsfront innerhalb des Trogsektors befanden, der sich am Nachmittag des 12.04 von Ostfrankreich nach Westdeutschland hinein erstreckte. Innerhalb dieses Trogsektors befand sich ein massiver Dryslot in mittlerer Höhe, welcher die Konvektion vertärkte. Durch die rasch nach Süden geholte Kaltluft befand sich ein Bereich starker Voricity innerhalb des Trogsektors, welcher für zusätzliche Hebung sorgte. Die Energie lag an diesem Tag bei 30 Theta E, das SB CAPE brachte es schon auf etwa 800J/Kg. Tops von 10km waren der Fall. Die Scherung war eher marginal, jedoch konnten sich örtlich hohe Vorticity Felder in der Grundschicht ausbilden, bedingt durch die vielen Zellen und dadurch viele vorhandene Coldpools, so dass sich einige Zellen besser organisieren konnten. Auch die Trockenluft spielte hierbei eine große Rolle, denn sie beschleunigte die Abwinde der Zellen und erhöhte dadurch die Eigendynamik dieser.


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16:30 Uhr - Multizellenlinie bei Speyer

Bei dieser Linie haben wir wirklich versagt beim Storm Chasen. Die anderen Stormchaser Südhessen und ich erwarteten, dass diese Linie wie in den Modellen berechnet sich über Frankreich ausbildete und dann nach RLP hinein gezogen kommt. Aus dieser Annahme heraus fuhren wir also auf eine sich allmählich zu einer Linie schließenden Gruppe aus Multizellen zu, welche aus Frankreich in Richtung RLP, Nord-BW gezogen kamen um die Linie abzufangen. Leider kam bei uns nur ein Strukturloser Haufen an, welcher es aber immerhin zu einem starken, fast trockenen Outflow bei Sturmböen schaffte, welche durch die starke Trockenluft verursacht wurden.
Was die Vorderseite der sich bildenden Linie nicht hergeben konnte, bekamen wir jedoch auf der Rückseite geboten. Eine stärkere Multitelle löste etwa bei Worms aus und zog dann in Richtung Darmstadt (Da wo wir her kamen *g*). Auf der Rückseite konnten wir schöne Cumulonimbus Formationen beobachten sowie diverse Mammatus Wolken. Wenn sie sich diesen Text wirklich durchlesen und nicht einfach nur nach den Bildern schauern, dann sehen sie sich unbedingt das Video an, dort ist das ganze als Zeitraffer zu sehen!

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18:00 Uhr - Starker Schauer bei Frankenthal

Eigentlich waren wir ja auf dem Weg, die vermutliche Superzelle abzufangen, aber wenn solch ein schöner Schauer bei solchen herrlichen Kontrasten vor einem Auftaucht, kann man auch noch einmal 10 Minuten anhalten um ein paar Bilder zu machen. Gesagt getan, hier sind diese:

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19:00 Uhr - antizyklonale Superzelle (Verdacht)

Nach dem Schauer furhen wir weiter in Richtung Alzey und suchten uns südlich der Stadt auf einem riesigen Weinberg einen Standpunkt. Da man schlecht mit dem Auto auf den kompletten Weinberg hinau fahren kann, mussten wir ein Stück rennen und noch ein Stück und noch ein Stück. Vier mal dachten wir, nach dem nächsten Abflachen des Weinberges sei der Gipfel erreicht, was aber leider nicht so war, weshalb wir samt Stativen und Kamera einen halben Kilometer bergauf gerannt sind. Der Anblick der uns erwartete war leider etwas enttäuschend. Bei 60dBz und über 12km Höhe erwartet man ja wenigstens ein Mindestmaß an Stuktur, diese bekamen wir aber leider nicht. 

Um den Superzellenverdacht zu untermauern, hier eine etwas ausführlichere Analyse der zur Verfpgung stehenden Daten:

 (c) radar-info.de

 Die Zelle erreichte eine Höhe von über 12km und hatte dabei bis zu 60dBz gehabt. Auf mehreren Scans ist ein offensichtliches V-Noch zu erkennen, welches aber nach Süden gerichtet ist, da es sich eben um eine antizyklonale Superzelle gehandelt hat. Auch ist auf diesem Scan hier ein Ansatz von einem Hook Echo zu erkennen, welches natürlich auch Spiegelverkehrt ist. Ein eventuelles BWER ist dem Vertikalscan auch zu entnehmen. Die ungefähre Position der Mesoantizyklone (Gibt es das Wort?) habe ich auf dem Bild einmal eingezeichnet, zusammen mit der nach Norden gerichteten Flanking Line, welche man auf den Bildern sehen kann.

 

 (c) radar-info.de


20 Minuten später ein noch besser zu erkennendes V-Noch mit ausgeprägterem Hook Echo Ansatz. Ich habe an dieser Stelle auch noch einen Rare Inflow in die Zelle hinein interpretiert, da ich mir den Rückseitigen starken Echo Gradienten sonst nicht erklären konnte. Dies ist nur eine Vermutung, ich kann mich auch täuschen.

 

 (c) radar-info.de 

Ab hier beginnt die Superzelle zu zerfallen, eine Neuauslöse in der Flanking Line unterbricht den Zustrom zur Zelle. Zu sehen ist jedoch immernoch der Rare Inflow und ein V-Noch.

 

 (c) lightningmaps.org

Auf dieser Blitzspurenkarte sieht man sehr eindeutig das Ausscheren der Zellen nach links, was auf eine antizyklonale Rotation und damit auch auf einen Superzellenverdacht schließen lässt.

Fazit:

Nach Rücksprache mit einem Bekannten, welcher Einsicht in die Dopplerscans des DWD hat, wurde mir gesagt, dass die Zelle durchaus Mesozyklonen hatte, jedoch war kein regelmäßiger Dipol auf diesen Radarbildern vorhanden, es waren sowohl zyklonale als auch antizyklonale Dipole zu erkennen. Da die Scans der Dopplerradre des DWDs einen sehr niedrigen Elevation Winkel haben und Aufgrund des Vorhandenseins eines eventuellen Rare Inflows in mittlerer Höhe und jeglichem fehlen von Strukturen an der Zelle, welche auf eine Mesozyklone hindeuten, zusammen mit der doch hohen Basis der Zelle, gehe ich davon aus, dass eine Mesozyklone in mittlerer Höhe vorhanden war überer einen Zeitraum länger als 30min. Das V-Noch ist gar über 1h unterschiedlich stark ausgeprägt auf den Radarbildern zu sehen. Ein Hook Ansatz ist auch zu vernehmen. Hinzu kommt ein einziger durchgehend starker Kern mit der typischen Delta-Form einer Superzelle. Das Linksausscheren spricht auch für das vorhandensein einer antizyklone im Aufwind der Zelle. Eine Erklärung für den kaum gekiptten Aufwind gibt es auch. Für gewöhnlich liegt die Flanking- bzw. Feeding-Line einer Superzelle Strom aufwärts, sie wntwickelt sich also am Boden gegen den Wind. Die Folge davon ist ein in der Höhe mit dem Wind gekiptter Aufwind. Dadurch, dass sich die Flanking/Feeding-Line dieser außergewöhnlichen Zelle jedoch nach Nordosten und damit Storm abwärts ertreckte, wurde der Aufwind nicht durch die Höhenwinde gekippt, im Gegenteil, die Zelle wurde dadurch sogar noch beschleunigt, was man an ihrer hohen Zuggeschwindigkeit von 80-90km/h sehen kann. Da die Zelle in Windrichtung anbaut, addieren sich die Anbaugeschwindigkeit und die Zuggeschwindigkeit der Zelle. Alle anderen Zellen an diesem Tag bauten nach Süden, also entegegen ihrer Zugrichtung an. Auch der mögliche Rare Inflow kann die Zelle zusätzlich beschleunigt haben. 

 (c) radar-info.de

Hier noch eine Radaranimation der Zelle wo man das Ausscheren gut sehen kann. Abstand der Bilder beträgt 10min.

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