Stormchasing, Gewitterjagd und Unwetter in Deutschland
  20.06.2013 Gewitter mit Orkan
 
 



Wetterlage

Seit drei Tagen befand sich in Deutschland eine hochreichend labil geschichtete tropische Luftmasse mit unglaublichen Theta E Werten von bis zu 75°C gepaart mit flächig 2000J/Kg ML CAPE, örtlich gar bis zu 5000J/Kg. Diese Luftmasse war jedoch bis dato sehr gedeckelt so das es nur örtlich begrenzt zu Gewittern gekommen ist was auf die fehlende Hebung zurück zu führen ist da sich Deutschland die meiste Zeit unterhalb eines starken Höhenkeils befunden hat, welcher die Auslöse von Gewittern verhinderte. An diesem Donnerstag sollte sich dies jedoch ändern. Über Frankreich stand eine sehr gradientstarke Kaltfront bereit mit bis zu 35°C Delta Theta E im Vergleich der prä- und postfrontalen Luftmasse. Diese Kaltfront sollte am Abend des 20.06 sehr steil und rasch in den Südwesten von Deutschland eindringen begleitet von einer massiven vertiefung der thermischen Welle an der sich die Kaltfront befand. Diese thermische Welle stellte ein unglaubliches Windfeld zur Verfügung, so dass SRH Werte von bis zu 750m²/s² von den Modellen gerechnet wurden. Da die thermische Welle sowie die Kaltfront genau unterhalb des Jetstream Maxima gelagert war welcher gut ausgeprägt war und tief lag, war an der Kaltfront ein Unwetterpotenzial gegeben was seines gleichen gesucht hätte. Da das System genau den Rheingraben von Basel bis nach Frankfurt entlang gezogen wäre, hätte der Rheingraben wie ein Trichter für den Coldpool des Gewittersystems gediehnt und so wären bis zu 200km/h starke Downbursts möglich gewesen. 
Man kann es nun an dieser Stelle Glück nennen oder auch Pech für uns Sturmjäger das es nicht so gekommen ist. Eine vor der Kaltfront vorlaufende Konvergenz welche schon Morgens Gewitter in Rheinland-Pfalz brachte setze einen Großteil der Energie um die an diesem Tag zur Verfügung stand, jedoch fehlte es an der Konvergenz selbst an Dynamik um das volle Potenzial der Luftmasse auzuschöpfen. 
Vor der Kaltfront standen jetzt also nur noch etwa 55 Theta E bei 1000J/Kg ML CAPE zur Verfügung, was wohl gut so gewesen ist, da selbst bei diesen Werten noch vielerorts von Karlsruhe bis nach Frankfurt Orkanböen gegeben hat. 

20:00 Uhr Unwetter mit Orkanböen über Karlsruhe

An diesem Tag waren wir nicht alleine unterwegs. Neben meinem Team zudem an diesem Tag Sebastian und Marius zählten begleitete uns noch ein Kamera Team von Spiegel TV. Zunächst waren wir ein bisschen genervt davon, dass wir die ganze Zeit die Szenen stellen mussten, jedoch als es dann hart auf hart kam und wir dem Gewitter näher kamen liesen sie uns in Ruhe und haben einfach mitgefilmt und ab und an eine Zwischenfrage gestellt. Sie haben auf uns gehört und waren nicht "sensationsgeil" wie manch andere Kamera Teams welche schon einmal einen Stormchaser Kollegen begleitet haben. Alles in allem hatr es uns wirklich Spaß gemacht und wir würden wieder ein Kamera Team mit nehmen, wenn sie das selbe Verhalten haben.
Nun zum Unwetter selbst. Gegen etwa 20 Uhr erreichten wir einen Standpunkt knapp südlich von Karlsruhe an dem wir die mächtige Shelf Cloud abfingen. Dem sehr tief hängendem Monster sah man es schon an, das es nicht ohne Orkanböen daher kommen würde, weshalb wir schnell Schutz hinter einer mächtigen Lagerhalle suchten um nicht vom Staub- und Trümmersturm erfasst zu werden. Unser eigentlicher Plan vor der Front nach Norden zu fahren scheiterte daran, dass uns umgefallene Bäume und massives Aquaplanning an einer schnellen Weiterfahrt gehindert haben. Schade war es, da die Front sich erst auf der Höhe von Ludwigshafen richtig ausformierte und noch imposanter wurde.
 

 

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