Stormchasing, Gewitterjagd und Unwetter in Deutschland
  Wetterkarten Grundlagen
 

 

 

In diesem Teil der Theorie auf meiner Seite gebe ich eine grundlegende Einführung in das lesen der einfachsten Paramter, die es in der Welt der Wettermodelle zur Vorhersage gibt. Das ganze ist speziell auf die Vorhersage für Gewitter ausgerichtet. Es wird jeweils die entsprechende Karte mit dem dazugehörigen Parameter erklärt. Da es den Rahmen sprengen würde, jeden Fachbegriff im Einzelnen zu erklären, bitte ich darum das restliche Internet zur Hilfe zu nehmen, wenn manche Wörter nicht bekannt sind.


 

500hPa Geopotential + Bodendruck

Diese Karte stellt die grundsätzlichste aller Wetterkarten dar, da man auf ihr die Druckgebilde sehen und Vorhersagen kann, also man kann sehen wie sich Tröge und Rücken verlagern, wo sich der Kern dieser befindet etc.. Die verschiedenen Farbkonturen geben dabei das Geopotential an dem Ort über der Erdoberfläche in 500hPa an. Aber was ist Geopotential eigentlich? Einfach ausgedrückt ist gibt der Wert rechts in der Skala die Höhe an, in welcher am Bezugsort der Karte ein Druck von 500hPa vorherrscht. Sie reicht von 4780m bis 6000m. Da sich nicht nur der Druck am Boden eines Ortes A von einem Ort B unterscheidet, sondern auch der Druck in der Höhe, wird der Druck von 500hPa am Ort A in einer anderen Höhe erreicht als am Ort B. Beispielsweise liegt über dem Ort A gerade ein Hoch, weshalb hier ein Geopotential von 580 vorliegt. Durch den höheren Durck wird die Isohypse von 500hPa erst in einer größeren Höhe erreicht. Umgekehrt ist es am Ort B, dort ist ein mächtiger Trog mit nur 512gpdm, das heißt also bereits in einer Höhe von 5120m wird die 500hPa Isohypse erreicht. 

Dies ist eine sehr vereinfachte Veranschaulichung des Geopotentials, es reicht aber für den Anfang vollkommen aus. Neben dem Geopot. befindet sich auf der Karte auch noch der Bodendruck. Man kann nun das Geopot. mit dem Bodendruck vergleichen, so lassen sich zum Beispiel Druckgebilde identifizieren, welche nur Bodennah existieren. Wenn sich also am Boden ein Tief befindet mit einem abgeschlossenem Kern, dieser Tiefkern aber auf dem 500hPa Niveau nicht mehr auftaucht, dann handelt es sich um ein Bodentief. 

Auf dieser Karte sieht man rot eingekreist ein solches Bodentief, es hat ersichtlich nur einen Kern am Boden, aber keinen in der 500hPa Druckfläche. Die beiden Tiefs im blauen Kreis hingegen haben sowohl einen abgeschlossenen Kern am Boden als auch in der Höhe. Das gleiche gilt natürlich auch für ein Hoch. Dieses kann auch nur am Boden existieren ohne einen Kern in der Höhe zu besitzen. Suchen sie einmal selbst, mindestens ein Bodenhoch sollten sie auf der Karte finden können!
Natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall, nämlich das ein Tief nur in der Höhe existiert, jedoch am Boden keine oder sehr geringe Auswirkungen auf den Druck hat. Ein gutes Beispiel für solch ein Tief wäre unter anderem ein Kaltlufttropfen in der Höhe, welcher mit niedrigem Geopotential einher geht.

Im blauen Kreis sehen sie einen solchen Kaltlufttropfen. An den Isothermen sieht man den abgeschlossenen Bereich niedriger Temperatur und an den Isohypsen das niedrige Geopotential. Im Sommer können solche Kaltlufttropfen für hochreichende Gewitter sorgen, sogar wenn am Boden eigentlich schwacher Hochdruck herrscht. 

Auf dieser Karte erstreckt sich eine Zunge aus niedrigem Geopotential in kombination mit kalter Luft über eine Kaltfront hinweg. Diese Konstellation labilisiert den Bereich der Kaltfront zusätzlich, da niedriger Druck und kalte Luft in der Höhe für zusätzliche Hebung an der Kaltfront sorgen. Eine Kaltfront die mit solch einer Zunge aus niedrigem Geopotential einher geht hat damit ein höheres Potential für starke Gewitter an der Kaltfront, vorausgesetzt alle anderen Paramter sprechen auch für Gewitter. Hinter der Kaltfront steigt das Geopotential sowie der Bodendruck wieder an, es findet also ein postfrontales Stabilisieren statt. In diesem Fall befindet sich also kein Trog hinter der Kaltfront. Es wird also keine Kaltluftkonvektion hinter der Kaltfront folgen, da das Hoch diese unterbindet. Im umgekehrten Fall kann der Kaltfront ein Trog nach folgen, welcher für Kaltluftkonvektion und damit für Schauer und Gewitter sorgt.

Als nächstes folgt die sogenannte Kurzwelle. Eine Kurzwelle ist wie der Name schon vermuten lässt eine wellenähnliche Ausbuchtung des niedrigen Geopotentials und des Bodendrucks. Eine Kurzwelle besitzt keinen abgeschlossenen Kern und wird von einem dominierendem Trog gesteuert. Ihre Lebensdauer ist meistens nur mehrere Stunden bis zu wenigen Tagen. Sie entwickeln sich auf der Südseite großer Tröge (Nordhalbkugel) und ziehen meistens sehr schnell. Auch haben sie ein eigenes Frontensystem mit Warm- und Kaltfront. 
Durch diese starke wellenförmige Ausbuchtung, welche vom steuernden Langwellentrog aus weg zeigt, entsteht auf der Südseite der Kurzwelle ein starker Druckgradient, zusammen mit einem starken Windfeld, deren Intensität von der Ausprägung der Kurzwelle abhängt. Im Sommer können solche Kurzwellen durch ihr starkes und vor allem geschertes Windfeld für Unetter sorgen. Die hohe Zuggeschwindigkeit sorgt dafür, dass die Kaltfront südlich der Kurzwelle rasant unterwegs ist und daher eine starke Hebung im Warmsektor induziert. Die Folge hiervon können einzelne starke Gewitter sein bis hin zu einer geschlossenen Squalline mit einem Derecho.
Vor allem im Winterhalbjahr, wenn die Zeit der Herbststürme gekommen ist, haben Kurzwellen eine besondere Beachtung verdient. Da sie so engräumig sind, können sie von den Modellen schwerer erfasst werden als große Langwellentröge. Es kann sich also ein starkes Sturm- oder gar Orkanwindfeld südlich der Kurzwelle ausbilden und dann für starke Unwetter sorgen. Sollte sich solch eine Kurzwelle wie sie im Herbst für Stürme sorgt im Sommer entwickeln, dann hätte dies schwerwiegende Folgen und es würden Unwetter mit verherender Wirkung entstehen.

Nun kommen wir zur Trogachse, welche man auf dieser Karte eingezeichnet sieht. Im Bereich der Trogachse ist die Krümmung des Druckfeldes besonders stark, daher befindet sich hier auch ein Bereich hoher positiver Vorticity und damit verärkte Hebung und Labilität. Ist der Trogsektor nun labil genug, dass sich Gewitter entwickeln können, so werden sich die stärksten Gewitter östlich der Trogachse befinden im Bereich der größten Hebung und Vorticity. Bei der Vorhersage von Troggewittern ist also dieser Bereich besonders zu beachten und beim jagen der Gewitter besonders von Interesse.

 
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